Change of Plans

Change of Plans

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Als Luis im letzten Jahr auf seine große Reise aufbrach, war es sein Plan, keinen zu haben. Vollkommen frei von allen Verbindlichkeiten wollte er ein Jahr um die Welt gondeln, das Leben genießen und dabei die Zeit vergessen. Soweit, so gut – doch dann kam ich und durchkreuzte diesen “Plan.” Um unsere Beziehung über diese lange Zeit nicht allzu sehr auf die Probe zu stellen, entschieden wir, dass es sinnvoll wäre, sich alle drei Monate zu sehen, indem ich seiner Reise für kurze Zeit beitrete – und schon waren sie wieder unumgänglich – die Pläne.

Um es möglich zu machen, dass wir uns alle drei Monate sehen, mussten schließlich gewisse Eckdaten und die Orte festgelegt werden, an denen wir uns treffen würden und bevor wir uns versahen, bemerkten wir, dass das ganze Jahr schon wieder recht straff durchgeplant war. Als es dann soweit war, wurden jedoch die meisten dieser Pläne wieder über den Haufen geworfen, teilweise umgeplant und an anderen Stellen komplett fallen gelassen. Anstatt quer durch Osteuropa und Asien zu fahren, ging es für Luis zuerst nach Norwegen und von dort mit dem Flieger nach Indien, anstatt ausgiebigem Sightseeing in Bangkok, haben wir lieber ein paar mehr herrlich entspannte Tage auf Koh Pha Ngan verbracht, anstatt Weihnachten in Übersee zu verbringen, kam Luis über die Feiertage nachhause nach Deutschland, anstatt den Süden von Brasilien zu bereisen, sind wir letztendlich drei Wochen in Rio de Janeiro geblieben, aus dem einen Monat in Bolivien wurden schließlich zwei und anstatt quer durch Zentralamerika zu reisen, haben wir uns jetzt dazu entschlossen mehr Zeit in Kolumbien zu verbringen. Ihr fragt euch sicher, wozu wir dann überhaupt noch Pläne machen, obwohl wir sie am Ende doch wieder ändern, oder ganz über den Haufen werfen?! Warum leben wir denn nicht einfach ganz entspannt in den Tag hinein, und schauen wohin der Wind uns treibt? – das frage ich mich manchmal auch…

“Reisepläne nehmen der Spontanität den Wind aus den Segeln, engen ein und verhindern jegliche Chance auf ein unerwartetes Erlebnis – was doch letztendlich den Reiz am Reisen ausmacht.” – so lautet der O-Ton vieler eingefleischter Backpacker, was in vielen Hinsichten auch völlig berechtigt ist. Wer keinen Plan hat, kann sich treiben lassen, bleibt an jedem Ort so lange, wie er möchte und zieht weiter, wenn er sich danach fühlt. Es gibt keinen Stress, denn Zeit spielt keine Rolle, man spart Budget, denn wer sich weniger bewegt, gibt weniger für Transport und Sightseeing aus und man genießt völlige Flexibilität und den Freiraum für spontane Abenteuer.

Wenn man aber auf seiner Reise viel Wert darauf legt, viel vom jeweiligen Land zu sehen, kann man sich solche Spontanität oft nicht leisten, denn irgendwann ist jedes Gap Year einmal zu Ende und wenn man die Hälfte davon in Indien verbracht hat, wird es schwierig, den Rest der Welt auch noch zu sehen. Es kann also auch für Langzeitreisende durchaus Sinn machen, sich einen groben Reiseplan zu erstellen und beispielsweise für jedes Land, das man bereisen möchte, einen gewissen Zeitraum festzulegen und eine grobe Liste an Orten, die man dort gern bereisen möchte. Das steigert nicht nur die Vorfreude, sondern motiviert auch dazu, sich von schönen Orten zu trennen, von welchen der Abschied so schwer fällt, wie uns von Salento, denn man weiss, was einen noch alles erwartet. Außerdem ergibt sich mit der Planung auch die Notwendigkeit der Recherche, was wiederum sehr nützlich sein kann, um beispielsweise Entfernungen oder Kosten besser einschätzen zu lernen und das kann sich im Laufe der Reise als sehr hilfreich erweisen.

Man kann es drehen und wenden – die einen lieben und brauchen sie, genauso wie die anderen Reisepläne für immer hassen werden. Letztendlich muss das jeder für sich selbst feststellen, zu welcher Gruppe er gehört, oder sich, so wie wir, eine Scheibe von beiden abschneiden. Auf unserer Südamerikareise haben wir von Anfang an den “Plan” verfolgt, uns im März in Brasilien zu treffen, mindestens den April in Bolivien zu verbringen, danach Richtung Norden zu fahren und bestenfalls am Ende von New York nachhause zu fliegen. Unsere Vorstellung davon, welche Länder wir dabei auf dem Weg mitnehmen würden, hat sich jedoch im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt, bis wir irgendwann, kurz nach unserer Rückkehr von Galápagos, das Gefühl hatten im zeitleeren Raum zu versinken. Wir wussten nicht so recht, wie wir das umsetzen sollten, was wir uns vorgenommen hatten. Auf der einen Seite wollten wir es einfach auf uns zukommen lassen, waren uns auf der anderen Seite jedoch bewusst darüber, dass wir drauf und dran waren, unsere Motivation zu verlieren, denn wir wussten nicht, auf welche Orte wir uns nun freuen konnten, und auf welche lieber nicht, um am Ende nicht enttäuscht zu werden, falls wir es doch nicht dahin schaffen würden.

Es musste also doch irgendwie alles noch einmal überdacht, ein wenig recherchiert – und im Groben und Ganzen ein Plan festgelegt werden. Wir haben nächtelang geredet, hin und her überlegt und gezweifelt, bis wir sie schließlich hatten: unsere neuen Eckdaten, besiegelt mit gebuchten Flügen, die uns nun dazu zwingen, diese auch einzuhalten. Haben wir unsere Flexibilität damit völlig aufgegeben? Nein, ich glaube nicht. Ganz im Gegenteil – wir haben uns damit genau die Erlebnisse gesichert, auf die wir auf dieser Reise keineswegs verzichten wollten und gleichzeitig Raum für Spontanität geschaffen, indem wir uns nun auf gewisse Länder beschränken und innerhalb der Zeiträume, die wir in jedem dieser Länder verbringen, frei sind, das zu tun und zu bleiben, wo und wie lange wir wollen – zumindest bis zum nächsten Eckdatum.

Auf diese Art und Weise bleibt uns nun ein ganzer Monat im wunderschönen Kolumbien, der auch dringend nötig ist, um dieses wundervolle Land gebührend zu bereisen. Je mehr wir uns dabei mit anderen Reisenden unterhalten, desto öfter stellen wir fest, dass eigentlich kaum jemand “planlos” reist, sondern eigentlich alle wissen, wo sie hin möchten, wie viel Zeit ihnen noch bleibt und sich mal mehr, mal weniger ernsthaft nach diesen Plänen richten. Da ist das Pärchen aus Taiwan, die regelrecht durch Südamerika rasen und immer mal wieder mit dem Flugzeug abkürzen, aber ein wirklich gutes Händchen dabei aufweisen, sich in jedem Land die absoluten Rosinen herauszupicken, da ist die junge Deutsche, deren Reise gerade erst begonnen hat, und die alles erstmal auf sich zukommen lässt, da ist der koreanische Austauschstudent, der auf seiner Reise so viel sehen wollte, doch am Ende in Peru und nun in Kolumbien hängen geblieben ist, da ist das dänische Pärchen, deren straff geplante Weltumsegelung zwei Tage vor Abreise buchstäblich ins Wasser fiel und da ist Luis, der anstatt ausschließlich auf dem Landweg zu reisen nun doch viel öfter im Flugzeug gesessen hat als eigentlich geplant, aber das macht alles überhaupt nichts, denn das Schöne an Plänen ist ja gerade, dass man sie jederzeit wieder ändern, oder völlig verwerfen kann.

Wie steht ihr zur Reiseplanung? Was denkt ihr, wie viel “planen” ist hilfreich, um sein Vorhaben umsetzen und sich gleichzeitig genügend Raum für Flexibilität offen zu lassen?

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Last year, when Luis started out on his great journey, his actual plan was to have none at all. Being absolutely free of any appointments, he had wanted to travel around the world for a year, enjoy life and forget about time. So far, so good – but then I came along and crossed all his “plans.” In order to not make it that hard for our relationship to survive such a long period of time, we decided that it would make a lot of sense, if I joined him on his travels, so that we would see each other every three months at least – and so it happened that we couldn´t get around them – travel plans.

Making it possible to meet every three months, we were required to find at least some key dates at which we would meet at a certain place and before we even noticed it, the whole year seemed like all planned out. However, on the actual journeys, most of these original plans were thrown away, partly changed, and partly dropped. Instead of trtthrough Eastern Europe and Asia over land, Luis went first to Norway and then took an airplane all the way to India, instead of a proper sightseeing trip through Bangkok, we prefered to stay on lovely Koh Pha Ngan for a few more relaxed days, instead of spending Christmas overseas, Luis decided to come home for the holidays, instead of traveling the south of Brazil, we ended up staying in Rio de Janeiro for three weeks, one month in Bolivia turned into two and instead of traveling all the way through Central America, we just decided to stay in Colombia for a bit longer. Now, you´re probably asking yourselves, why the heck we´re still making travel plans, although we keep throwing them all over?! Why don´t we just relax and take every day as it comes, going to wherever the wind takes us? – well, sometimes I´m asking myself the same question…

“Travel plans are taking the wind out of the pipe and narrow down every chance of running into spontaneous adventures – which are central to the actual appeal of travel.” – That´s what most experienced backpackers use to say, and which makes senses in certain ways. Those who don´t have any plans can just let go, stay for as long as they want to in each place, and go to wherever the wind takes them, whenever they feel like it. There is no stress, because time is not an issue, and it might also be easier on the budget, because those who hardly ever move around, are less likely to spend a lot of money on long distance transportation, or sightseeing trips, but most of all, there is lots of freedom for spontaneous adventures.

Those, on the other hand, who highly prioritize seeing lots of different places while they travel, often don’t even have room for such spontaneity. Every gap year comes to a final day and if you have already spent half of it in India, it will be pretty hard to see the rest of the world in the remaining time. In other words, even for long-term travelers, making a rough travel plan that includes all the places you want to visit, and estimating how much time will be needed for each visited country, can prove to be extremely useful. That way raises anticipation and motivates you to leave a place where you would have liked to stay longer, as we did in Salento, because you know what you’re looking forward to. Also, making plans requires you to do your research carefully, which can prove to be very useful when it comes to learning how to estimate distances and the budget needed in each place, which are valuable skills that every traveler would benefit from.

Either way – there´ll always be the ones who love and need them, just as much as others will keep hating travel plans. In the end, everybody has to find out for their own, to which group they belong, or take the best out of both, as we do. On our journey through South America, we´ve been following the basic “plan” to meet in Brasil in March, spend at least the month of April in Bolivia, and then continue towards the North and fly back home from New York in the end. Our idea, which countries we were going to along the way, however, has changed quite a lot over the course of time, until one day, shortly after our return from Galápagos Islands, we started to feel quite lost in in time. We didn´t really know how to realize what we had imagined. On the one hand, we just wanted to just let things come up as they please, on the other hand however, we were already quite aware that we were about to loose our motivation, because we weren´t even sure what places to look forward to on the remaining journey and which better not, so we wouldn´t be disappointed in case we had not made it there.

No matter what, there was a strong need to overthink our ideas, do some research – and more or less to make a plan. We spent several nights talking it through, rethinking, reconsidering, until we finally had them: our new key dates, sealed by a number of flight reservations that now force us to stick with them. Now, did we give up all our flexibility by doing so? No, i don´t think so. On the contrary – we have saved exactly those experiences we wouldn´t want to live without on this journey and on the same time, we have created a lot of room to explore each place thoroughfully, by just narrowing down the list of countries we were going to visit and putting key dates on which we would continue to the next one. Within the key dates, we are completely free to do what we want, go where we want and stay for as long as we please – so there´s still a lot of room for spontaneity.

In this way, we have gained a whole month in wonderful Colombia, which is absolutely needed to explore this wonderful country. And by the way, the more we get to talk to fellow travelers, the more we come to the conconclusion that there´s actually no one who travels without any “plan.” On the contrary, most people have a very clear idea of where they want to go to, how much time they´ve got left to do so and follow these guidelines more or less seriously. For example, there is this couple from Taiwan, who seem to be racing across the continent, taking quite a few shortcuts by airplane, but who seem to have a pretty skilled hand at picking the absolute raisins in each country on their itinerary; then there´s the young german girl, who´s just started her journey and just wants to let herself go for the moment; there is the korean exchange student, who had wanted to see so much, but ended up spending all his time in Peru and now Colombia; then there´s the danish couple, whose plan to sail around the world fell in to pieces just a couple of days before their departure; and then, there´s Luis, who had wanted to travel over land, only but ended up taking a lot of air planes on his way – but all of this just doesn´t matter at all, because the greatest advantage of making travel plans is that they can always be changed, or dropped, completely.

What do you think about making travel plans? How much “planning” do you think is necessary, in order to realize your ideas but still leave a lot room for flexibility?

Saludos&Besitos,

Mandy xx

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