Soy Paceña – About Life in Bolivia’s biggest City

Soy Paceña – About Life in Bolivia’s biggest City

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Hola mis Amigos Queridos,

Zwei Jahre ist es her, seit ich La Paz, die Heimatstadt meiner großen Liebe, zum ersten Mal besucht habe. Damals wusste ich vieles nicht. Ich wusste nicht, dass ich in zwei Jahren mit ihm zusammen hierher zurückkehren und für ganze zwei Monate bleiben würde; ich wusste nicht, dass ich einmal lernen würde, wie das Leben hier wirklich ist, wie die Häuser dieser Stadt von innen aussehen, wie man sich überhaupt zurecht finden soll, in diesem Chaos von Häusern und überfüllten Straßen, und vor allem wusste ich nicht, dass ich mich trotzdem einmal verlieben würde – in diese Stadt, die es einem wirklich nicht leicht macht, sie zu mögen.

Vor zwei Jahren kam ich alleine mit dem Bus hier an. In der Calle Sagarnaga, dem Touristenmagnet der Stadt, haben sie mich ausgesetzt, und nur unweit davon entfernt, habe ich in einem der altbekannten Partyhostels eingecheckt. Remmi Demmi rund um die Uhr und viel zu viele junge Menschen, die offensichtlich vergessen hatten, dass Alkohol bei fast 4000m Höhe viel stärker anschlägt als gewohnt. Die einzige Möglichkeit dem Krach zu entgehen, führte vor die Tür – und damit hinein ins Chaos. Von meinem Hostel konnte ich mich geradeso zur Sagarnaga zurückfinden. Dort gab es zumindest etwas zu essen, man konnte ein paar Souvenirs kaufen und mehrere Touren buchen – raus aus dieser furchtbar dreckigen, lauten Stadt, die einem nicht nur aufgrund ihrer dünnen Luft den Atem raubt.

Meine schönste Erinnerung an meinen damaligen Besuch? Der Sonnenuntergang über der Stadt und der Ausblick über das gesamte Stadtpanorama auf dem Rückweg von meiner Fahrradtour auf der Death Road. Von den anderen schönen Seiten der Stadt, ihren bunten Märkten, ihren interessanten Bewohnern, ihrer Küche, ihrer unheimlich authentisch-bolivianischen Kultur, habe ich damals leider überhaupt nichts mitbekommen.

Doch diesmal war alles anders! Diesmal bin ich gemeinsam mit meiner großen Liebe in seine Heimatstadt gereist. Diesmal wurde ich hier nicht einfach ausgesetzt und mir selbst überlassen, sondern von einer liebevollen Familie begrüßt und in ihr Heim aufgenommen. Diesmal habe ich gelernt, über den Müll auf den Straßen hinwegzusehen und die wahre Schönheit der Stadt hinter ihren unverputzten Fassaden zu erkennen.

In den letzten zwei Monaten habe ich unheimlich viel über das Leben der Paceños gelernt und festgestellt, dass es wirklich, wirklich hart sein kann. Da ist zum einen das Klima. Die dünne Luft auf etwa 4000m Höhe und die extremen Temperaturen können einem das Leben wirklich schwer machen. Von Heizungen, oder gedämmten Wänden will hier nämlich keiner etwas wissen. Es gibt Decken, und Pullover und Tee – damit hat man hier schon immer überlebt und deswegen geht das auch weiterhin so.

Im Stadtteil La Merced, wo meine große Liebe aufgewachsen ist, gibt es kaum wohlhabende Menschen. Die meisten müssen hier mit recht wenig auskommen und leben mehr oder weniger von der Hand in den Mund, wie die meisten Paceños. Deshalb tun sie sich auch schwer mit Veränderungen, denn Veränderungen kosten. Hier lebt man eher nach dem Motto: “was schon immer funktioniert hat, wird auch weiterhin funktionieren,” was es dem Fortschritt enorm erschwert, in dieser Stadt Einzug zu halten. Die meisten Paceñas stehen beispielsweise noch heute vorm Morgengrauen auf, gehen auf dem Markt einkaufen und kochen anschließend für die ganze Familie das Essen für den ganzen Tag, anstatt nur einmal in der Woche einzukaufen und die Lebensmittel im Kühlschrank frisch zu halten. Anschließend fahren sie mit dem Minibus auf Arbeit, der sich kreuz und quer durch den Stadtverkehr schlängelt, anstatt die neuen öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, welche viel mehr Passagiere direkt zu ihrem Ziel befördern können, leider aber doppelt so viel kosten. Sie arbeiten anschließend bis zum Mittag, um dann zum Mittagessen nachhause zu gehen. Essen mitnehmen, oder zum Mittagessen in ein Restaurant gehen, gibt es hier nicht, denn das Mittagessen bleibt nach wie vor die wichtigste Mahlzeit des Tages, besteht aus Suppe, Hauptgericht und Dessert und wird in der Regel mit der ganzen Familie eingenommen. Erst danach kann man wieder auf Arbeit, oder in die Schule gehen. Gearbeitet wird fast den ganzen Tag, und danach kommt noch die Hausarbeit. Gewaschen wird hier oft noch von der Hand und mit kaltem Wasser, einen Topf Reis kochen dauert aufgrund der Höhe doppelt so lange wie zuhause in Berlin, und auch Geschirr wird per Hand abgewaschen. Trotzdem habe ich den Fleiß und die Beharrlichkeit der Menschen hier oft bewundert, mich aber genauso oft gefragt, warum sie sich das Leben nicht von selbst erheblich leichter machen.

Es gibt doch auch hier Kühlschränke, Mikrowellen, Waschmaschinen und Tupperdosen zu kaufen! Auch hier gibt es mittlerweile Supermärkte, aber die Paceños sind es gewohnt, alles einzeln auf dem Markt einzukaufen und tun das auch weiterhin, weswegen die Supermärkte verhältnismäßig teuer bleiben. Es gibt mittlerweile öffentliche Verkehrsmittel mit festen Fahrplänen und Haltestellen, die den Stadtverkehr erleichtern sollen. Die Paceños aber, sind es gewohnt mit unbequemen Minibussen quer durch die Stadt zu fahren und direkt vor ihrer Haustür abgesetzt zu werden – und deswegen werden sie auch das weiterhin tun. Ihre Häuser stehen schon seit Jahren ohne verputzte Fassaden und das werden sie auch weiterhin, genauso wie ihre uralten Autos auch weiterhin die steilen Berge nach oben fahren werden. Reparaturen oder Modernisierung gelten hier eher als Zeit- und Geldverschwendung und Funktionalität kommt vor der Ästhetik. Das ist für mich als Europäerin schwer zu verstehen, aber zum einen ist es die finanzielle Situation und zum anderen auch der Stolz, der die Paceños von modernen Neuerungen abhält.

Dennoch gibt es mittlerweile immer mehr “moderne Paceños” und sie sind es, die mir gezeigt haben, dass sich dieses Land trotz allem weiterentwickelt. Sie fahren umweltfreundliche Kleinwagen, die sie Sonntags immer in der Einfahrt waschen, sie wohnen in neuen Apartmenthäusern, die innerhalb der letzten Jahre wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, kaufen bei KeTal oder Hipermaxi ein und haben feste 9-to-5-Jobs in großen Bürogebäuden. Diese Art Paceños strebt nach Lebensqualität, wie wir Europäer, diese Art Paceños möchte etwas Neues, möchte mehr Leben.

Und das kann man hier auch! Es wird einem zwar leider nicht besonders leicht gemacht und mir ist aufgefallen, dass gerade diejenigen, die am meisten danach streben, am wenigsten davon haben, weil sie mehr arbeiten, als ihr Leben zu leben. Es ist aber auch hier sehr gut möglich, Lebensqualität zu finden, denn auch hier gibt es Sportanlagen, Kinos, Restaurants und Bars, die gerade an den Wochenenden reichlich besucht sind, und wenn man mal ins Warme möchte, muss man nur auf einen Tagesausflug nach Coroico fahren.

Es ist wirklich nicht unmöglich, Schönes in dieser Stadt zu finden, die erst vor kurzem zu einem der 7 Neuen Weltwunder in der Kategorie Städte gewählt wurde – und das gilt für Paceños genauso wie für Touristen. In den letzten zwei Monaten habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass La Paz einfach unheimlich viel zu bieten hat und jeder, der einmal bei Nacht mit dem Teleferico nach El Alto gefahren, in einem der urigen Restaurants und Bars im Sopocachi gesessen, über die Plattform am Parque Urbano gelaufen, ein saftiges Salteña gegessen, oder von irgendeinem Punkt der Stadt die Ansicht des Illimani bewundert hat, wird das bestätigen können. Man kann sich hier wohlfühlen, trotz der Kälte und man kann hier schöne Dinge finden – man muss es nur wollen. Diese Stadt schenkt dir nichts, aber wenn du mit offenen Augen durch ihre Straßen gehst, belohnt sie dich mit unbezahlbaren Eindrücken vom Leben.

Warst du selbst schon mal in La Paz? Was war dein erster Eindruck? Ging es dir auch so wie mir damals?

Blopstphoto - Markt_Fotor

It´s been two years since I first visited La Paz, the hometown of my love. Back then, there was a lot I didn´t know. I didn´t know that two years later, I would return together with him and that i would stay for two months in a row; I didn´t know that I would learn what life here is truly like, that I would see their houses from the inside, that I would learn to find my way around in this total chaos of houses and overcrowded streets, but most of all, I had no idea, that I would one day fall in love with this city, which really doesn´t make it easy for anyone to actually like it.

Two years ago, I arrived alone on the bus. I got out at Calle Sagarnaga, the well-known tourist spot of the city and checked-in at one of the popular party hostels nearby. It was party all day and night, and there were just too many young people, which apparantly had forgotten that alcohol kicks in way harder at 13 000 ft of altitude. The only chance of getting out of this noise meant getting out and lost in the chaotic streets of the city centre. I managed to find my way back to Calle Sagarnaga, where there was at least food, some souvenirs to buy and lots of tour operators, offering tours outside of this terribly noisy and stinky town that does not only take your breath because of its thin air.

The personal highlight of my last visit? Watching the sunset above the city when I returned from my biking tour on Death Road and the amazing panoramic views. But back then, I remained ignorant of all the other nice places in the city, its colorful markets, its interesting people, its cuisine, and its authentic bolivian culture.

But this time, everything was different! This time, I came together with my love. This time, I wasn´t just left to myself but welcomed by a lovely family and taken into their home. This time, I have learned to ignore the dirty streets and find the true beauty of this city behind its un-plastered facades.

During the past months, I have learned a lot about the lives of the Paceños and realized that it can be really, really tough. For once, there´s the climate. The thin air at 13 000ft. and the extreme temperatures are making life extremely difficult, and unfortunately, nobody around here cares about heating, or insulated walls. As long as there are blankets, and sweaters, and hot tea, people will survive – because they always have.

In the neighborhood of La Merced, where my love has grown up, there aren´t any wealthy people. On the contrary, most of them have to live with very little and more or less live right from the hand into the mouth, as most Paceños do. It also seems like therefore, they are having their difficulties with innovation, because innovation means paying money, which they don´t have. People here are rather living by the motto: “never change a running system,” which makes it very hard for progress to take over in this city. For example, most Paceñas still have to get up way before dawn, just to go and buy groceries at the market and then cook all the meals of the day for their families, before going to work, instead of just getting groceries once a week and using a refridgerator for keeping it fresh. On their way to work, they still prefer taking uncomfortable minibuses, which zic-zac their way through town in order to avoid the traffic, instead of taking the new public transportation that offers straight routes and can take more people at once, because it costs twice as much. They still work until midday and take a long break to go home for lunch, which remains the most important meal in the bolivian household, consists of soup, main dish and dessert, and is always taken together with the whole family. Only after lunch, people get back to work, or school. Therefore, they work almost all day, and once they get back home, there is still the household to take care of. Laundry, for example, is still done by hand and with cold water in most households, it takes about twice as much time to boil a pot of rice than it does back home in Berlin, and even dishes are cleaned by hand. Nevertheless, I have often admired these people for their hard work and endurance, but on the other hand, I just as often wondered why they don´t even try to make their lives a bit easier.

I mean, even in La Paz, one can buy refridgerators, microwaves, dish washers, or tupperware containers! Even here, they have opened supermarkets by now, but Paceños are used to buying every single thing on the market, and they will continue doing it, which is why the supermarkets remain to be quite expensive. Even here, there is public transportation with actual schedules and fixed stops, which are supposed to relieve the traffic, but Paceños are used to taking the small minibusses, which take forever to get through the city but take them right to their doorsteps – and therefore they will continue taking them. Just as well as their houses will continue standing without plastered walls and their old cars will continue crawling up the steep hills. Repairing and modernizing counts as a waste of time and money around here and functionality is worth a los more than asthetics. Being european, that´s difficult for me to understand, but on the one hand it is their financial situation, on the other hand, however, it is pride, which is keeping the Paceños from modern innovation.

Nevertheless, there are more and more “modern Paceños” and it is them, who have proven to me that this country is developing further, despite all odds. They do drive small cars that are environmentally friendly, which they use to clean in their driveways on Sundays, they live in new apartment buildings, they go grocery shopping at KeTal or Hipermaxi, and they have real 9-to-5-jobs in big office buildings. This kind of Paceños is striving for more quality of living, as we Europeans do, this kind of Paceños wants something new, and more from life.

And it is possible, even here! Although it might not be easy for anybody to have a fullfilled life in this city, and I have recognized that it is especially hard for those who strive for it the most, because they work more than they actually live, but it is possible to find life quality in La Paz. As a matter of fact, even this city offers various recreational facilities, cinemas, theatres, parks, restaurants and bars, which are quite frequently visited during the weekends, and for those who want to escape the cold for a bit, it´s really just a 3hrs drive from winter in La Paz to summer in Coroico.

After all, it really isn´t impossible to find something beautiful in this city, which has just recently been choosen as one of the seven worldwonder cities by the New Seven Wonders Foundation – and that counts for tourists as well as for Paceños themselves. During the past two months, I have seen it through my own eyes that La Paz really has so much to offer and I’m pretty sure that everybody, who has ever taken the Teleferico up to El Alto at night, sat in one of the quaint restaurants or bars in the neighborhood of Sopocachi, walked the platform at Parque Urbano, ate a juicy Salteña, had a glass of sweet and hot Api, or admired the view on the majestic Illimani mountain from any point of the city, will be able to confirm to my findings. Despite the cold, it is possible t feel comfortable around here – you just have to want it. This city does not give you presents but if you wander its streets with your eyes wide open, you will be rewarded with priceless impressions on life.

Have you ever been to La Paz? What was your first impression? Did you feel just like I did back then? 

Saludos&Besitos,

Mandy xx

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